Wenn es jemandem, den ich mag, schlecht geht, will ich sofort irgendwas tun. Und dann sitze ich da und weiß nicht, was. Blumen? Zu fröhlich. Ein Buch? Wer liest gerade ein Buch, wenn er kaum aus dem Bett kommt. Und „Kopf hoch“ schreib ich sowieso niemandem.
Ich kenn auch die andere Seite. Ich hatte Jahre, in denen es mir richtig schlecht ging. Und wenn ich heute zurückdenke, sind mir nicht die großen Gesten geblieben. Geblieben sind die Leute, die einfach da waren, ohne dass ich irgendwas erklären oder leisten musste.
Darum hier ein paar Sachen, die ich gelernt habe. Kein Ratgeber, nur meine Erfahrung.
Schenk etwas, das nichts von einem will
Wenn's dir schlecht geht, ist alles, was nach Aufgabe klingt, zu viel. Ein Buch über Glück, ein Yogakurs, ein „Probier doch mal …“. Ich hab mich über solche Sachen nie gefreut, sondern eher schlechter gefühlt, weil ich sie dann auch noch nicht geschafft hab.
Besser ist etwas, das einfach da sein darf. Eine Kerze zum Beispiel. Man kann sie anzünden, muss aber nicht. Bei mir war es oft genau so ein kleines Licht am Abend, das den Raum ein bisschen wärmer gemacht hat.
Die Karte ist wichtiger als das Geschenk
Ehrlich, ich hab manche Karten jahrelang aufgehoben. Die müssen gar nicht lang sein. Sätze, die mir gut getan haben:
- „Ich denk an dich.“
- „Du musst nicht antworten.“
- „Ich bin da. Auch wenn du gerade nicht reden magst.“
Was ich eher weglassen würde: „Das wird schon wieder“, „Anderen geht's noch schlechter“ oder „Denk positiv“. Ist alles lieb gemeint, ich weiß. Aber es fühlt sich an, als müsste man sich zusammenreißen, damit's den anderen besser geht.
Unsere „DO NOT GIVE UP“-Karten hab ich übrigens genau für sowas gemacht. Hinten ist Platz für deine eigenen Worte.
Etwas für die Sinne
Wenn mein Kopf zu voll war, hat mir Denken nichts gebracht. Was geholfen hat, war was Einfaches: eine warme Tasse Tee in der Hand, ein Duft, den ich mag, ein weicher Pulli. Das macht nichts weg. Aber für ein paar Minuten war ich wieder mehr bei mir und weniger in meinen Gedanken.
Etwas zum Aufschreiben, wenn die Person gern schreibt
Mir hat das Aufschreiben viel gebracht, deshalb gibt's auch das Mood Journal. Aber nicht jeder schreibt gern, und das ist völlig okay. Wenn du weißt, dass jemand gern Gedanken festhält, kann es ein schönes Geschenk sein. Wenn nicht, lass es lieber.
Und das Wichtigste kostet nichts
Zeit. Ein Spaziergang, bei dem man nicht reden muss. Ein Kaffee. Und vor allem: dranbleiben. Eine Nachricht eine Woche später, die einfach fragt, wie's heute geht. Die meisten melden sich am Anfang und dann nicht mehr. Wer sich ein zweites und drittes Mal meldet, den vergisst man nicht.
Wenn du dir Sorgen machst
Ein Geschenk ersetzt keine Hilfe, auch keins von uns. Wenn du das Gefühl hast, dass jemand nicht mehr weiter weiß, sprich es an. Direkt nachzufragen macht es nicht schlimmer, im Gegenteil. Und hol dir Unterstützung: In Österreich erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, in Deutschland unter 0800 111 0 111, in der Schweiz Die Dargebotene Hand unter 143. Im Notfall 112.
Max